NATURA ARTIS MAGISTRA

Foto: Raumansicht, Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig

Raumansicht, Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig

Foto: Raumansicht, Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig

Raumansicht, Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig

Foto: Raumansicht, Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig

Raumansicht, Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig

Foto: CETONIINAE, 2007, Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 100 cm

CETONIINAE, 2007, Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 100 cm

Foto: Raumansicht, Zologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig

Raumansicht, Zologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig

Foto: Skizze Ornithologische Sammlung I, 2010, Tusche auf Papier, 20 x 20 cm

Skizze Ornithologische Sammlung I, 2010, Tusche auf Papier, 20 x 20 cm

Foto: Skizze Ornithologische Sammlung II, 2010, Tusche auf Papier, 20 x 20 cm

Skizze Ornithologische Sammlung II, 2010, Tusche auf Papier, 20 x 20 cm

Über das Projekt

Natura Artis Magistra

Moderne Kunst trifft Naturgeschichte

Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig - Bonn
September 2009 bis Februar 2011

Expedition zur Artenvielfalt

In den labyrinthartigen Kellern und Forschungsräumen des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig in Bonn, ist die Artenvielfalt größer, als irgendwo sonst in Deutschland. In nüchternen Aktenschränken und tausenden von Schubladen verbergen sich faszinierende, (schaurig-) schöne und phantastische Geschöpfe, die eigentlich nur Wissenschaftlern zugänglich sind. Die Künstlerinnen Ines Braun, Iris Stephan und Anja Schindler haben sich in diesem einmaligen Kosmos eingenistet und nutzten die konzentrierte Forschungsatmosphäre um sich zeichnend, fotografierend und mit künstlerischem Blick durch die Bestände des Museums zu graben.

In einer spannenden, einjährigen Projektarbeit haben die Künstlerinnen die Sammlungen als Inspirationsquelle für eine künstlerische Auseinandersetzung genutzt und als Nährboden für die Phantasie aufbereitet. Neben Studien, Zeichnungen und Malerei entstanden Installationen und Objektserien, die sich ähnlich phantasievoll und überraschend wie ihre Vorlagen präsentieren.

www.natura-artis-magistra.blogspot.com

Stahlschränke gefüllt mit Gläsern, akribisch geordnet, nach nicht sichtbaren Ordnungssystemen sortiert, fein säuberlich nummeriert und beschriftet. In gelblichen Flüssigkeiten Frösche, Chamäleons, Schlangen und Eidechsen. Unzählige Schubladen mit Insekten oder Nagetieren aller Art, unendlich lange Listen mit Namen und Beschreibungen. Eine der weltweit größten wissenschaftlichen Museumssammlungen, die sich der Erforschung der Artenvielfalt, den Lebensräumen der Tiere und ihrer Evolution verschrieben hat.

Anja Schindler hat hier im Bonner Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig zusammen mit Ines Braun und Iris Stephan eine Ausstellung initiiert und über ein Jahr lang entwickelt. »Natura Artis Magistra« heißt das interdisziplinäre Forschungs- und Kunstprojekt, bei dem die Natur als Lehrmeisterin der Kunst und die einzigartigen Sammlungsbestände des Museums als Inspirationsquelle für die künstlerische Auseinandersetzung dienen. Die Natur als Lehrmeisterin der Kunst zu begreifen ist in dieser Konstellation sinnfällig und unterstreicht das Ziel des künstlerischen Anspruchs: Ob das filigrane, organisch geformte Muster eines Käferflügels, die symmetrische, millimetergenaue Anordnung der Schuppenhaut eines Reptils oder das feurige Farbenspiel im Gefieder eines Vogels – die Natur ist die alles bestimmende Form, Farbe und Struktur, perfekt und faszinierend. Für die Kunst ist sie gleichermaßen Vorbild und Maß aller Dinge. Doch muss der Künstler in seinen Ausdrucksmitteln individuelle Wege entdecken, um aus dem Schatten des »Lehrmeisters« heraustreten zu können. Das ist die eigentliche Herausforderung für die Kunst bei diesem Projekt.

Die Verbindung und Gemeinsamkeit der gemeinhin so unterschiedlich gesehenen Disziplinen zeigen die Künstlerinnen sowohl in ihren im Atelier geschaffenen Arbeiten als auch in ihrer vor Ort ausgeführten, nahezu wissenschaftlichen Arbeitsweise: minutiös gezeichnete Studien, intensive Betrachtung einzelner Präparate, oder ausführliche Interviews mit den Museumsforschern und Wissenschaftlern. Alles dient dazu, sich einer bis dahin unbekannten Denkweise und Methodik anzunähern und sie zu begreifen. Die individuelle, künstlerische Interpretation folgt und entsteht in einem prozessualen und vielschichtigen Vorgang. Das Ergebnis ist das Kunstwerk, die Interpretation und Bezugnahme zu einer Assoziation oder der daraus resultierenden Idee.

Hier findet der für die Künstlerinnen so wichtige Schritt aus dem Schatten des »Lehrmeisters« statt und beginnt die freie künstlerische Wendung. Anja Schindler widmet sich bei diesem aufwendigen Projekt der Untersuchung von Ordnungssystemen, die in Botanik und Zoologie angewendet werden, um Tiere, Arten und Gruppen zu katalogisieren und zu kategorisieren. Dabei findet sie mit ihren in Türkisblau gefassten Objekten und Gefäßen neben zarten Zeichnungen eine vordergründig rein ästhetische Interpretation, indem sie einzelne Artefakte in Reihen anordnet oder Kabinettstücken gleich präsentiert. Bei intensiverer Betrachtung der vermeintlich schönen Objekte, werden jedoch Parallelen zu anderen Lebensbereichen offenbar und die sowohl positiven wie negativen Wirkungsweisen von sogenannten Ordnungssystemen und Kategorisierungen deutlich.

Alexandra Wendorf, Chefredakteurin des Zeitungsmagazins Barton für Kunst, Kultur, Design und Literatur

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