ARTENREICH

Foto: Raumansicht, Naturhistorisches Museum Mainz

Raumansicht, Naturhistorisches Museum Mainz

Foto: ARTENREICH, Detail

ARTENREICH, Detail

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Foto: Raumansicht, Naturhistorisches Museum Mainz

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Foto: Saal für Heimische Tiere, Naturhistorisches Museum Mainz

Saal für Heimische Tiere, Naturhistorisches Museum Mainz

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Über das Projekt

Der Film zur Ausstellung

Der Teaser zur Ausstellung

Blick auf einen verlorengegangenen Aspekt des Forschens und des Sammelns

Viele naturkundliche Sammlungen gehen auf einstige Raritätenkabinette oder Wunderkammern zurück. Zu Zeiten in denen Reisen in ferne Länder und Bildung nur wenigen Privilegierten vergönnt war, bestand das Anliegen solcher Sammlungen vor allem in der Zurschaustellung und dem Bestaunen von seltenen und außergewöhnlichen Objekten. Gesammelt wurde alles was diesem Ziel entsprach, unabhängig davon ob es sich um Naturobjekte, Artefakte, Kunstgegenstände oder exotische Gebrauchsgegenstände handelte. Heute sind naturkundliche Sammlungen eine wichtige Datengrundlage der geo- und biowissenschaftlichen Forschung. Sie sind physische Datenbanken der Natur, die in einer Zeit des massiven Artenrückgangs immer bedeutender werden. Anhand geologisch-paläontologischer Sammlungsobjekte können Entwicklungen in der Erdgeschichte rekonstruiert werden, die uns Informationen über Prozesse geben, mit denen wir zukünftige Tendenzen, wie Klimawandel und Folgen des Artensterbens extrapolieren können. Zudem geben Naturobjekte aus historischer Zeit Auskunft über Populationsdynamik und Verbreitung von Tier und Pflanzenarten, die wichtig sind, um Vorhersagen für die Zukunft zu treffen.

Naturkundliche Museen halten mit ihren Sammlungen eine weltweit verfügbare Infrastruktur für Generationen von Forscherinnen und Forschern vor. Gerade diese Verfügbarkeit stellt in jedem Museum eine große Herausforderung dar. Um die unzähligen Objekte erschließbar zu machen müssen sie dokumentiert, katalogisiert und systematisiert werden. Dies erfordert Zeit und einem Menge Expertise. Heute sollen digitale Datenbanken Forschungssammlungen weltweit sichtbar und zugänglich machen. Eine Sammlung, die nicht allgemein sichtbar ist, existiert für die weltweite Forschung quasi nicht. Allerdings ist die Menge an nicht-digitalisierten Altbeständen gerade in naturkundlichen Sammlungen häufig so umfangreich, dass selbst die großen und personell gut ausgestatteten Museen nur langsam mit der Aufnahme und Eingabe der Daten vorankommen.

Neben der Verfügbarkeit der Sammlung ist natürlich die Erhaltung der Objekte ein wesentlicher Aspekt. Die hierzu notwendige konservatorische Bearbeitung und die kontinuierliche Kontrolle und Pflege nimmt sehr viel Zeit in Anspruch und erfordert spezielle Kenntnisse sowie eine adäquate technische Ausstattung. Dabei benötigen die verschiedenen Naturobjekte unterschiedliche Konservierungsverfahren und jeweils entsprechende Lagerungsbedingungen. Die Bandbreite ist hierbei groß und reicht von Gesteinen und Mineralien über Fossilien bis hin zu zoologischen Präparaten und Herbarmaterial. In den Archiven reihen sich die Regale, vollgefüllt mit Gefäßen und Sammlungskästen, platzsparend untergebracht, gut sortiert und beschriftet. Ein Anblick, der immer wieder fasziniert. In Einrichtungen, die über eine entsprechende Infrastruktur verfügen, werden heute sogar DNA- und RNA-Proben tiefgekühlt aufbewahrt. Es zeigt sich dabei, dass die Dokumentation von Biodiversität bis in die genetische Vielfalt reicht.

Das Naturhistorische Museum Mainz verfügt zusammen mit der Landessammlung Rheinland-Pfalz über 1,5 Millionen Sammlungsobjekte. Nur ein sehr geringer Teil davon, weniger als ein Prozent, sind Schaustücke die ausgestellt werden. Es wird dabei deutlich, dass der öffentliche Teil eines naturkundlichen Museums gegenüber der Forschungssammlung nur die Spitze des Eisbergs darstellt und der gesellschaftliche Auftrag über das Ausstellen von Objekten und das Vermitteln naturwissenschaftlicher Inhalte weit hinausgeht. Inzwischen versucht man diesen in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommenen Aspekt auch in den Ausstellungen deutlich zu machen. In der Museologie fallen daher die Begriffe »Public Understanding of Research« und »Public Understanding of Collections«.

Blickt man zurück auf die Ursprünge heutiger Forschungssammlungen, wird deutlich, dass sich die Zielsetzungen und die gesellschaftlichen Aufgaben seitdem sehr verändert haben. Hinter jeder Sammlung stehen heute wissenschaftliche Fragestellungen und ein verschriftlichtes Sammlungskonzept das gezieltes Sammeln nach festgelegten Vorgaben bestimmt und regelt. In der Ausstellung ARTENREICH lenkt die Künstlerin Anja Schindler mit ihren Arbeiten den Blick dagegen bewusst auf einen heute meist verlorengegangenen Aspekt des Forschens und des Sammelns, nämlich auf das Bedürfnis, unabhängig von der fachlichen Disziplin, die Welt als Ganzes mit all ihren Facetten zu begreifen. Mit ihren himmelblauen Kuriositätenkammern aus Natürlichem und Unnatürlichem, aus botanischen Fundstücken und aus Artefakten entfalten sich in der Gegenüberstellung mit den Sammlungs- und Ausstellungsobjekten des Mainzer Naturhistorischen Museums unerwartete, den Blickwinkel erweiternde Perspektiven. Insbesondere der in die Jahre gekommene und nicht mehr zeitgemäße Saal der Heimischen Tiere erhielt durch die künstlerischen Interventionen von Anja Schindler eine neue Wertigkeit, die auch dem Personal des Museums nicht verborgen blieb. Anfangs skeptisch beäugt, wurde das Projekt mit Ideen und praktischen Vorschlägen unterstützt. Schließlich verbrachten die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihre Mittagspause in dem Saal, um über die Kunstaktion zu diskutieren. Die so entstandene Dynamik macht den prozesshaften und performativen Aspekt der Ausstellung deutlich, der einen Bestandteil des Werkes der Künstlerin Anja Schindler ausmacht.

Dr. Bernd Herkner, Direktor Naturhistorischs Museum Mainz

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